Kamelien

Kamelienschau Locarno

Der Tessin entzückt im Frühling stets mit einer anderen Blütenvielfalt  als es der Norden aufweisen kann. Da blüht zum Beispiel fast in jedem Garten oder in jeder Anlage die Kamelie.  Auch ich habe zehn Kamelienbäume meinen Bienen anzubieten. Nicht alle Züchtungen sind aber für Bienen geeignet. Im Gegensatz zu den gefüllten Blüten, lieben die Bienen die einfachen Blütenarten, die,  welche mit viel Pollen locken . Locarno hat seit drei Jahren einen Kamelienpark angelegt, da kann der Betrachter ob der Vielfalt und Schönheit nur staunen.  Vielleicht gelingt es mir mit diesen  malerischen Abbildungen  Sie im nächsten Jahr zu einem Besuch dorthin zu locken.

Manchmal machen die Bienen auch auf einem Blütenblatt halt, um den Blütenstaub vom Körper zu putzen und an das Pollenhöschen zu kitten.

ausruhendes Bienchen

Pollenernte

Die Winterkamelie, ein Langzeitblüher

Leider wächst die Winterkamelie noch nicht auf der nördlichen Seite der Alpen. Im Tessin aber beginnt sie schon im Oktober mit den ersten Blüten und passt sich dann den schwankenden Temperaturen bis in den Vorfrühling hinein an.

Wird es kalt, hält sich die Winterkamelie (Camellia japonica) mit dem Öffnen neuer Blüten zurück, treten warme Tage durch südliche Windströme oder eine Föhnlage auf, lockt sie mit einer Reihe frischer Blütenpracht. Die Honigbiene, die dann vielleicht ihren Reinigungsflug einlegt, nutzt auch gleich ein Auftanken auf diesen unwiderstehlichen, lockenden Blüten. Um an den Nektar heranzukommen, muss sie sich buchstäblich zwischen den dicht gedrängten Pollenträgern in die Tiefe bohren. Ist sie am Pollen interessiert, so stehen ihr zweierlei Erntemöglichkeiten zur Verfügung. Entweder sind einige der Pollenkapseln im Reifezustand allein aufgesprungen, dann streift die Biene bäuchlings über sie hinweg, oder aber sie muss mit den Vorderbeinen und Mandibeln die Pollenkapseln öffnen und entgegennehmen, was sich anbietet, denn der Pollenstaub wird gestaffelt abgegeben. Erstaunlicherweise halten selbst verwelkte Blüten für suchende Bienen noch Nektar bereit.

Von Ostasien in europäische Adelshäuser

Die angestammte Heimat der Kamelie (Gattung Cammellia mit zahlreichen Arten) ist Ostasien, wo sie am besten in Küstengebieten gedeiht. Sie wird nachweislich schon seit dem 17. Jh.v.Chr. als Nutz-und Zierpflanze kultiviert. Sie gehört zur Familie der Teestrauchgewächse (Theaceae) und sogar zur selben Gattung wie für den Schwarz-und Grüntee kultivierte Teepflanze. Die ersten englischen Händler gelangten 1516 nach China und strebten eine Handelsbeziehung an. Da der Tee mit der Zeit immer teurer wurde, gedachten die Engländer die Teepflanze mit nach Europa zu nehmen. Die schlauen Chinesen aber untergruben dieses Ansinnen, indem sie ihnen eine Kamelie übergaben. So kam es, dass in einem Gewächshaus in England 1733 die erste Kamelie auf europäischem Grund zum Blühen kam. Ihre Vermehrung und Haltung war nur für Königshäuser und Adelsfamilien bestimmt. Darum sind noch heute in königlichen Gärten und Parkanlagen dreihundertjährige Kamelienpflanzen anzutreffen. Mit dem Niedergang des Adels ging auch die Popularität der Kamelie zurück. Erst 1940 stieg das allgemeine Interesse an dieser Pflanze wieder an und in europäischen Gärtnereien entstand eine rege Zucht von Sorten und Varietäten. Mittlerweile soll es weltweit 20 000 Sorten und Hybriden geben.

Ein japanischer Teegarten im Tessin

Auf den klimatisch begünstigen Brisago-Inseln im Tessin fassten 1993 die ersten Teepflanzen (Cammellia assamica und Camellia sinensis) Fuss. Das veranlasste den Heilpflanzenspezialisten und Drogisten Peter Oppliger aus Luzern, nach seiner Pensionierung 2005 einen Teegarten auf dem Monte Verità oberhalb von Ascona zu gestalten. Camellia sinensis fühlt sich im Tessiner Klima sehr wohl, darum entschied sich Oppliger für diese Pflanzenart und bezog sie aus Japan. Heute gedeihen am Monte Verità über 1300 Teepflanzen, die dort einen meditativen Teegarten bilden. Weiss und duftend sind ihre Blüten und immergrün der Strauch. Ein nach japanischer Philosophie angelegter Teeweg, il sentiero del tè, zeigt die Teekultur auf und führt ins Teehaus, wo die Besucher regelmässig Teezeremonien beiwohnen können.

Die Teepflanze enthält vierhundert verschiedene wertvolle Inhalts-und Wirkstoffe und erweist sich als sehr anpassungsfähig. Geerntet wird  von Mai bis August in drei Intervallen. Der Tee wird im Teehaus als Grüntee angeboten.

Pflege der Kamelien

Kamelienpflanzen blühen dann am stärksten, wenn man ihnen einen Kugel-oder Pyramidenschnitt verabreicht. Dann gibt es keine auswüchsigen Aeste, die vom Regen, Sturm oder Schnee niedergedrückt werden können. Diese in Form geschnittenen Bäume tragen an allen Enden Knospen und werden so in ihrer Blütenfülle zu einer prachtvollen Augenweide. Nur die ungefüllten, einfachen Kamelienblüten sind besonders im Frühjahr für Bienen ein Pollenspender.