Wabenhygiene

Wabenanordnung und Brutraumklima

Der Natur über die Schulter geschaut.

Brutraumklima und Wabenaufbau

Der Brutraum ist der Sitz des Bien und im Zentrum waltet mit dem Volksaufbau die Königin. Für den Imker sollte es ein Gebot sein, dieses Kernstück so wenig wie möglich zu stören!

Durch die Magazinimkerei ist es ja so leicht geworden, schnell einmal von oben einen Blick in den Stock zu werfen, um dem munteren Treiben des Volkes in  seinem interessanten Aufbau, in seiner Tätigkeit und Ausbreitung zu zu schauen.  Legt sich der Imker aber auch Rechenschaft darüber ab, was er damit eigentlich anrichtet.

Ein Brutraum ist eine ganz fragile Angelegenheit.  Gilt es doch immer eine konstante Temperatur von 35-39 Grad bei einer angepassten Feuchtigkeit aufrecht zu erhalten.

Im Frühjahr richtet sich der erste Einblick auf die Volkskontrolle.  Als Imker weiss man, dass dazu ein warmer Frühlingstag von mindestens 15 Grad benötigt wird. Da der säuselnde Frühlingswind die Waben aber zusätzlich kühlt, wären 20 Grad in der Mittagswärme entschieden besser geeignet. Hat sich ein Volk bis dahin schon stark entwickelt, deckt es mit Arbeiterinnen die Brut isolierend ab, der Temperaturschock wirkt sich nicht so stark aus. Der fachmännische Blick auf die Königin, die Futterreserve, Volksstärke und neue Brut sollte kurz gefasst werden.

Der Imker sieht und ahnt nämlich nicht, nachdem er den Stock wieder geschlossen hat, was die Bienen für einen Kraftaufwand leisten müssen, um die richtige Temperatur  in Einklang mit dem Brutmilieu wieder aufzubauen.

Die Bienen, die auf den Waben sitzen, koppeln ihre Flügel aus, um mit Vibrationen ihre Körperwärme bäuchlings auf die darunter liegende Brut im Puppenstadium abzugeben. Dazu verbrennen sie aber viel Energie und benötigen jeweils von dem Depot der eingelagerten Nahrung. Ebenfalls müssen die Heizerbienen in den leeren Zellen zwischen der Brut auch intensiv vibrieren, denn hier wird die Temperatur noch um einen Grad erhöht, damit sich die in den anliegenden Zellen entstehenden Bienen genetisch andere Fähigkeiten erwerben können, als es bei den gewöhnlichen Arbeiterbienen der Fall ist (Prof.Dr, Jürgen Tautz). Somit löst jedes Oeffnen viel Stress aus und setzt das Volk unter Druck.

Um aber ein ruhiges und sanftmütiges Volk zu erhalten, sollte man ihm soviel Stress wie möglich ersparen. Die erforschte Regel, nie die Reihenfolge der Wabenanordnung durcheinander zu bringen, ist dazu ein ganz wichtiges Kriterium. Warum das denn, wird sich so mancher Imker fragen?

Es ist dem Betrachter, der eine leere Wabe gegen die Sonne hält vielleicht aufgefallen, dass sich am Boden jeder Zelle ein  Y abzeichnet. Dies ist der Grundriss der Zelle von der gegenüberliegenden Wabenseite. Die Zellen beider Seiten sind aber nicht deckungsgleich, sondern versetzt. Das gibt dem Ganzen eine grössere Stabilität und eine Biene kann sich keinen Ausgang zur Gegenseite verschaffen. Nun ist es doch so, dass der Aufbau jeder Wabenwohnstätte mit einer Wabe in der Mitte beginnt, und von dort nach beiden Seiten lamellenartig weitere Waben im adäquaten Abstand erbaut werden. Kluge Imker haben herausgefunden, dass dieser Aufbau von der Mitte spiegelbildlich errichtet wird, was sich an diesem  Y- Grundriss erkennen lässt. Das Y von der Gegenseite betrachtet erscheint anders herum, und zwar auf dem Kopf. Studiert  man die grafische Darstellung unten genau, erkennt der Leser, wie es sich damit tatsächlich verhält.  Es ist erwiesen, dass Völker durch die Einhaltung der Wabenanordnung weniger stechfreudig sind und sich viel ruhiger verhalten, weil man ihnen den Stress erspart,  der bei der Wiederherstellung der zerstörten Wohnstätte auftritt.

Man kann die Wabenordnung auch am Rähmchen bezeichnen, aber ich halte das für unpraktisch.  Manchmal gilt es eine Wabe auszuwechseln und dann stimmt die Bezeichnung nicht mehr. Es empfiehlt sich  bei der Durchsicht der Wabenreihe sich gut zu konzentrieren, um alles wieder an den richtigen Platz zu bringen. Die Bienen werden es uns mit Sanftmut danken.

Die heute angewandte Hyperthermotherapie gegen die Varrose, bei der mit 40 Grad über einen längeren Zeitraum alle Stockwaben samt Brut,  ohne die aufsitzenden Bienen beheizt werden, ist eine heikle Anwendung, die gut überlegt sein will. Es ist noch nicht erforscht, was sich genetisch durch die Ueberhitzung der Brut verändern kann und tut. Ebenso ist der ganze Eingriff ein riesiger Stress für das Bienenvolk. Wohl könnte es im Sommer auch so im Stock zu solch hohen Temperaturen kommen, aber dann ziehen  die Bienen aus den Wagengassen aus und harren vor der Behausung im Bienenbart aus, während im Stock ventilierte Luft zur Verdunstung von Wasser das Klima aufrecht erhält. Wenn man die Bienen walten lässt, reagieren sie stets mit ihren altbewährten Massnahmen für ein richtiges Brutmilieu. Man kann einen Bienenbart verhindern, indem man eine weitere Zarge (Halbzarge) unter den Brutraum einfügt. Die Bienen haben dann einen geschützten Rückzugsort zum Schlafen im Raum und setzen sich keiner Gefahr mehr aus. Siehe unter Neuerungen: <modifizierte Langstrothbeute!>

Was ist ein Bienenbart? Für gewöhnlich gehen alle Bienen in den späten Abendstunden zurück in den Stock. Sie können aktiv sein oder aber auch faul und schlafend. Wenn es im Sommer zu heiss ist und Tropennächte anstehen, müssen überzählige Bienen im Stock Platz schaffen, um die kühlende Luftzirkulation zwischen den Wabengassen nicht zu blockieren. Deswegen verlassen sie ihren Hort und halten sich in aller nächster Nähe auf, eben vor dem Flugloch und bilden dort eine Traube, den sogenannten Bienenbart. Mit dieser Reaktion setzen sich die Bienen einer Gefahr aus. In einer Baumhöhle, die gross genug ist, geschieht das nicht. Ein Bienenbart ist ein Imkerfehler! Hier kann man mit Erweiterung der Beute Abhilfe schaffen, oder man entnimmt Bienenmasse und gibt sie einem kleinen Volk bei.

Ein guter Imker hat sich zum Ziel gesetzt, Bienen sollten immer auf sauberen Neuwaben leben. Er ist jährlich besorgt, die dunklen Waben auszuwechseln.

Die schimmeligen Randwaben sind in jedem Fall auszusortieren, die anderen kann man in einem gesunden Volk aber getrost belassen. Dunkle Waben entstehen durch Pollen im Futter und durch die Metamophose (Umwandlung und Häutung) von Larve zur Puppe. Je öfter die Königin die Zellen bestifftet, desto kleiner werden die Zellen, weil die Häutungshüllen an den Zellwänden kleben bleiben. Belässt man die gleichen Brutwaben über drei Jahre lang, so ist der Zellendurchmesser eindeutig kleiner geworden. Das bedeutet: kleinere Bienen, kürzere Brutdauer und weniger Varroabefall.

Ursprünglich hat die Biene ihren Wohnsitzt in Baumhöhlen über Jahre hinweg beibehalten, bis es notwendig wurde, den Bau zu verlassen, um den Wachsmotten die Aufräumarbeit zu übergeben. Im nächsten Frühling konnte jeweils wieder ein Schwarm einziehen. So ist der natürliche Ablauf im Bienenstaat, den man als Imker auch berücksichtigen kann.

Y-Anordnung

Anordnung gekennzeichnet

Y-Anwendung nach unten wiederspiegelt die Gegenseite nach oben

Y-Anwendung nach oben widerspiegelt die Gegenseite nach unten

Die zahmen Bienen danken Ihnen die Ordnung!