Varroamilbe

Wabenerneuerung gegen das Winterbienensterben und Hypothesen zur Bekämpfung der Varrose mit neuen Ansatzpunkten.

Es ist allen bekannt, dass vor mehr als 30 Jahren  die Varroamilbe nach Europa eingeschleppt worden ist und  sie schadet seither unseren Bienenvölkern in steigerndem Masse. Die Forschung zu ihrer Bekämpfung hat vieles zu Tage gefördert. So sind wir dank  des Forschungsberichtes  von Gérard Donzé im Jahr 1998 über die Entwicklung und Vermehrung der Milbe genau im Bilde.  Durch ihr Schmarotzertum  schwächt sie nicht nur die Bienen, sondern überträgt auch Vieren, die grosses Unheil an unseren Bienen bewirken. Heute müssen wir uns leider eingestehen, dass trotz allem Aufwand gegen die Milbe ihr nicht grundlegend beizukommen ist.

(Es leuchten aber Hoffnungslichter am Horizont. Die Forschung ist dabei heraus zu finden wie  die Milbe durch einen Pilzbefall wirksam zu bekämpfen ist, oder aber auch durch Massnahmen, die zur Sterilität der Milbe führen sollen, und  ihr somit den Garaus  machen könnten.)

Der Forscher GèrardDonzé  zeigt deutlich auf:“ Die Fortpflanzung der Milbe erfolgt ausschliesslich in den verschlossenen Brutzellen. Kurz vor ihrem Verdeckeln dringen die Milbenweibchen in eine Zelle ein, schlüpfen unter die ausgeschlüpfte Bienenmade und setzen sich in den klebrigen Futtersaft am Grund ab. Dieses Verhalten scheint zum  Eigenschutz der Milben vor den brutpflegenden Bienen zu erfolgen.  Kurz nach der Verdeckelung beendet die Made ihre eingerollte, bewegungsarme Haltung. Sie beginnt die nächste, sehr bewegungsintensive Phase der Spinnmade, indem sie sich ausstreckt und den Vorrat an Futtersaft verzehrt. “Die Milbe wird somit aus dem Futtersaft befreit und klammert sich an der Bienenmade fest. An ihr saugt sie sich an der Bauchseite der Streckmade mit Bienenblut (Hämolympfe) voll und beginnt mit der Eiablage.

Wer Nahrung zu sich nimmt muss sie auch wieder ausscheiden! Aufregend ist hierbei, wie Donzé erforscht hat, dass die Milbe  immer am gleichen Ort ihren Kot ablegt, sodass bis zuletzt ein richtiger Kothaufen entsteht! Auch die heranwachsende Brut geht auf diesen Kothaufen.   Jeder Kot hat eine ätzende Wirkung und die Milbe ist nicht daran interessiert ihren Wirt damit zu schädigen. Auch saugt sie immer am gleichen Frassloch und kann hier ihre krankmachenden Vieren dierkt an die Biene abgeben. Erst wenn der Chitinpanzer der Bienenpuppe erhärtet ist, beisst sie für sich und die Brut, welche noch nicht über die nötigen Werkzeuge verfügt, ein neues Loch.

Bei der Ablage des Eies benutzt die Milbe eine spezielle Strategie. „Das Ei wird so an die Wabenzellwand geklebt, dass die Bauchseite der darin befindlichen Nymphe zur Zellwand gerichtet ist. Auf diese Weise kann sie sich beim Schlüpfen mit den Beinen an der Wand halten und aus der Eihülle ziehen.” Trotz der steigenden Milbenpopulation in der Zelle, wird die angehende Biene selten getötet, denn die Milbe braucht sie lebend, um auf ihr wieder aus der Zelle heraus zu gelangen. Was ist aber bei der Winterbiene anders?

Wir Imker wissen, dass einer der wichtigsten Funktionen im Bienenstock das Zellenputzen  ist. Jetzt muss also ein beachtlicher Ballen Kot, sofern er nicht an der geborenen Biene haftet, aus den Zellen herausgeholt und abtransportiert werden. Die Jungbiene fängt damit an und reicht ihn weiter. Durch wie viele Bienenmandibeln er wandert, bis er nach Draussen gelangt,  wissen wir nicht, aber bestimmt nicht nur durch die Mandibeln der frisch geschlüpften Bienen.  Als gleichzeitige Ammenbiene geschieht unter Umständen das, dass sie Rückstände vom Kot im Mundorgan gleich an die Maden weiter überträgt. Diese kämen schon sehr früh damit in Kontakt  und werden möglicherweise von Vieren infisziert.

Tatsache ist, der Kot besteht aus dem von Milben verdautem Bienenblut, gleich Hämolymphe . Da die Biene ihn mit den Mundwerkzeugen aufnimmt, könnte sich die Biene daran sensibilisieren und es kann mit der Zeit eine genetische Veränderung eintreten, eine Schwächung.  Ist es unter Umständen das ewige Schröpfen der Bienen und das Verunreinigen durch den Kot, welche ein ganzes Volk sterben oder leer fliegen lässt?

Vermutlich nimmt sie  auch von dem Kot Spuren in ihren Verdauungstrakt auf. Bei der Sommerbiene wirkt sich ein erfolgter Schaden nicht so aus, weil  die  Infektionen, die so übertragen wurden, mit der ihr vorgegebenen Lebensdauer Schritt halten. Aber wissen wir, ob die Honigbiene überhaupt noch die Kraft hat über den Zeitraum von zehn Tagen Nektar einzutragen? Schrumpfen nicht auch schon im Sommer die Völker? Ferner ist zu beachten, dass es ab Ende Juli schon mit den Winterbienen einsetzt. Winterbienen verhalten sich anders, sie sind passiv. Sie beteiligen sich nicht an der Brutpflege, weil sich ihre Futtersaftdrüsen zurückbilden. Sie übernehmen auch keine anderen Arbeiten im Bienenstock, auch kein Putzen, sondern konzentrieren sich ganz auf den Pollenkonsum. Die Eiweisse dieser Nahrung speichern sie im Fettkörper und in der Hämolyphe. Das ist für sie wichtig, um den Winter zu überdauern. Das Absaugen der Hämolyphe durch die Milbe ist hier besonders schädigend. Es verkürzt die Lebensdauer der Winterbienen und so hat sie keine Möglichkeit den Winter zu überstehen.  Oft stirbt sie schon gleichzeitig mit den letzten Sommerbienen und der Imker hat den Verlust zu beklagen. Wer hat nicht schon den starken Totenfall vorm Stock im Spätherbst erlebt und gesehen?

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Varroamilbe keine Augen, dafür aber einen sehr sensiblen, ausgeprägten Geruchssinn hat. Als Spinnentier hat sie acht Beine, wovon die zwei vorderen weniger zum Laufen geschaffen sind, weil an den Vorderbeinen sich alle Sinne, die eine Milbe benötigt befinden. Tastsinn, Geruchssinn und Orientierungswahrnehmungen des Raumes und der Themperatur.

Man kann die Milbe nicht ausrotten, aber versuchen sie von den Bienen fernzuhalten!

Was wäre nun dagegen zu tun? In jedem Fall sollte der Imker auch dahin tendieren, die  Wabenerneuerung als eine einfache Hilfe durchgreifend zu praktizieren. Wer mit Magazinen arbeitet, die mit gleich grossen Waben im Honig -wie im Brutraum ausgerüstet sind,  hat es leicht den Bienen die leeren, neuen und sauberen Honigwaben anzubieten. Ausserdem müsste man quasi im Juli schon mit der Ameisensäurebehandlung beginnen.

Welcher Imker sehnt sich nicht nach einer pflegeleichten Bienenbehandlung? Wie wäre es schön, die Milbe mit einer simplen Methode dazu zu bringen, von den Bienen abzulassen, weil sie zum Beispiel den Milben nicht mehr schmecken. Im Film :“ More than Hony“ konnte man sehen, wie die Amerikaner dem Zuckersirup  Antibiotika beimischten, um die Bienen vor Krankheiten zu bewahren. Das können wir nicht gut heissen, aber es gibt uns doch auch eine  Möglichkeit dem Futter wertvolle und zugleich kräftigende, sowie milbenabstossende  Substanzen beizumischen.!

Da kam mir die Idee von Knoblauch.  Ich zitiere hier aus einem Buch über die Werte des Knoblauchs: „Die Pflanze enthält mehr als 200 Vitamine, Aminosäuren, Enzyme und Mineralien. Die Nährstoffe beinhalten Kalzium, Magnesium, Kalium, Zink. Eisen, Selen, Schwefel, sowie die Vitamine A, B und  C.  Knoblauch bekämpft nachweislich Pilze, PARASITEN und Virusinfektionen! Ferner aktiviert er das Immunsystem. Das tönt doch perfekt, um unsere Biene nicht nur von der Milbe zu befreien, sondern auch wieder zu kräftigen. Mein Vorgehen ist nun folgendes:

Ich bereite eine Knobi-Od-Zuckerlösung zu (siehe Knobi-Od) und verfüttere sie an die Bienen. Zuckerfutterlösung:  1kg Zucker und 1 L Knobiod-Tee.  Jungvölker, die man noch nicht zur Honiggewinnung heranzieht, kann man das ganze Jahr damit auffüttern. In der Zeit haben die Milben von den Bienen vielleicht abgelassen, so meine Vermutung, weil auch diese über einen sehr sensiblen  Geruchsinn verfügen und keinen Drang nach  einer Knoblauch riechenden Biene und ihrer Hämolyphe verspüren. Bekannt und angewandt ist das Phänomen ja bereits längst zur Mückenabwehr, Mardervertrieb, bei der Bekämpfung von Darmparasiten und der Erdbeermilbe. Warum nicht auch hier an unseren Bienen? Vielleicht wird mancher Imker auch Lust verspüren diesen oder auch andere biologische Wege mit der Fütterung auszuprobieren. Bienen lieben Knoblauch.

 

Oelsäureanwendung

gehörnte Mauerbiene mit Nutzmilben

Hummelkönigin mit Milben

Peter Rosenkranz und Bettina Ziegelmann von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität zu Hohenheim Deutschland, haben neue Erkenntnisse zur Varroabekämpfung mit Oelsäure gewonnen. Oelsäure  enthält eine Komponente des Varroa-Sexualpheromons. Sie wenden damit eine direkte Sprühapplikation in die Wabenzellen an. Die Duftstoffe der Oelsäure verwirrt das zuerst geborene Milbenmännchen, das für die Befruchtung nachfolgender Milben verantwortlich ist, in der Zelle dermassen, dass es wild umher tigert und die Tochtermilben kaum zur Begattung auffindet. Somit dezimiert sich die Milbenpopulation auf die Hälfte. Neueste Anwendungspraktik geht dahin, dass die Oelsäure direkt in das Wachs der Mittelwände mit eingeschmolzen wird. Der Nachteil ist leider der, dass das Wachs somit verunreinigt wird. Jedoch wird der Honigraum nicht damit behandelt, sodass man den Wachs nur im Brutraum verunreinigt und entsprechend seine Konsequenzen daraus zieht.

 

Umstellung auf das Kleinzellenmass 4.9mm

Die Umstellung auf das Kleinzellenmass ist sehr wirksam, wenn es einem gelingt die Bienen dazu zu bewegen. Es eignet sich am besten die braune Bienen dafür. Wenn man aber zum Vorspuren Kunststoffwaben mit dem Mass 4,9mm anwendet, erlernen es die Bienen sofort und man kann in zweiter oder dritter Bienengeneration die Kunststoffwaben wieder entfernen. Mit dieser Methode gelingt bei jeder Bienenrasse, auch bei Mischvölkern die Umstellung auf das Kleinzellenmass. Man kann sich  im Internet über den Erwerb von Kunstoffwaben, sowie über Matritzen zu Kleinzellenmittelwänden informieren. Ich habe zudem noch die Beuten isoliert, sodass die Bienen Energie und Zeit gewinnen, die sie in die Volkspflege (Putztrieb) einbringen. Mit der Zeit verringern sich im Volk die Milben, sodass die Völker ohne weitere Behandlung durch den Winter kommen und mit den Milben selber aufräumen.

Nützlinge unter den Milben

Phänomen Milbe. Nicht alle Milben sind Parasiten, es gibt auch Nützlinge unter ihnen. Da kennen wir zum einen die Raubmilbe, die Hühner von der Hühnermilbe befreit, indem sie diese verzehrt.

Den meisten Imkern ist auch bekannt, dass die Erdhummelkönigin im zeitigen Frühjahr am Brustkörper dicht mit Milben besetzt ist. Die Milben sind vor der Winterruhe im Nest auf die Hummelkönigin aufgestiegen und haben mit ihr den Winter überlebt. Das ist auch gut so, denn die Milben krabbeln wieder von der Hummel herunter, sowie sie mit dem Brutnest beginnt. Als „Kommensale“ ernährt sie sich von den Pollenresten in dem Kot der Hummellarven und sorgt somit für eine hygienische Kinderstube. Eine Kommensale ist im Gegensatzt zum Parasiten ein Lebewesen, das sich von den Nahrungsrückständen eines Wirtsorganismus (die Hummelbrut) ernährt, ohne es zu schädigen.

Wie bei den Hummeln wurden auch bei den Wildbienen schon Milben entdeckt, darunter die Nisthilfen beziehenden Arten: die Hahnenfuss- Scherenbiene (Chelostoma florisomne), die Rote Mauerbiene (Osmia rufa) und die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). Auch hier haben es die Nutzmilben auf Pollenrückstände abgesehen. Ist hingegen der schützende Kokon einer Larve oder Puppe beschädigt, so können diese auch befallen und geschädigt werden. Im Frühjahr lassen sich die an die Männchen geklammerten Milben vermutlich zu neuen Nestern transportieren.