Neuentwicklungen

 

Odilienpforte für Magazinbeuten

Um der Baumhöhle ( siehe Rubrik Baumhöhlen), dem Ursprungswohnsitz der Bienen näher zu kommen, habe ich mit der Odilienpforte  eine Anpassung ersonnen.  Der Name Odilie bedeutet: Besitz, Erbgut, Reichtum. Das trifft durchaus für eine Pforte zum Wohnsitz eines Bienenvolkes zu, die es zu verteidigen gilt.

Ich bin mit einem neuen Magazin zu einem Schreiner in meiner Nähe gegangen und liess es, zu je sechs Zentimetern in vier gleiche Rahmen zersägen. Ausgesägt wurde ferner ein Einflugsloch im Frontalbereich. Dahinein passt der adäquate Holzkeil zum Einengen der Pforte. Damit die Pforte  nicht verrutscht, habe ich die Eckeisen angebracht. Es braucht aber zur Stabilität nur vorne eines und eines nach hinten versetzt. Im Gegensatz zum Beutenaufsatz ist die Odilienpforte leichtgewichtig und darum empfiehlt sich eine Fixierung. Ich imkere mit rechteckigen Langstroth-Magazinen zu zehn Waben. Aber alle Holzmagazine lassen sich in ihrem Mass mit einer Odilienpforte einrichten.

Diese Odilienpforte sollte immer zuoberst aller Magazine eingesetzt werden, da es sonst zu Verbindungswildbau kommt, das hat die Praxis erwiesen.

Als weitere Ergänzung habe ich das Einflugsloch auf zwei Seiten einsägen lassen. Somit kann ich das Magazin auf Warm- oder auf Kaltbau einrichten. Für den Warmbau braucht es dazu lediglich eine Viertelumdrehung des Magazins. Bevorzugt wird der Warmbau in kalten Regionen oder zur Ueberwinterung des Volkes. Mit dem Holzkeil wird die andere freie Oeffnung geschlossen. Damit der Keil auch festsitzt, habe ich zwei kleine Arretierungen angebracht, somit kann der Keil nicht in die Beute fallen.  Möglicherweise wird aber der Keil von innen bald von den Bienen mit Propolis verklebt werden.

Als Boden kann man den herkömmlichen Unterbodenbau verwenden, allerdings muss man das Flugloch verschliessen. Man sollte stets in Betracht ziehen, Bienen verlangen nach einem geschlossenen, dichten Wohnraum.

Der Vorteil dieser Odilienpforte ist die Anpassung an den urtümlichen Baumhöhlenwohnraum, eine natürliche Luftzirkulation, Stressverminderung und bessere Lebensbedingungen für mehr Ruhe der Brut und ein ungestörtes, leicht zu regulierendes, angepasstes Brutklima. Eindringende kühle Luft fällt nach unten und schiebt die warme Luft nach oben. Ventilierende Bienen können das leicht physikalisch für sich ausnützen und sparen somit Energie ein.  Die Pforte ist der Natur nachempfunden. Die Nestverteidigung gegen Motten, Ameisen, Hornissen, Beutenkäfer, Totenkopfschwärmer und andere Eindringlinge erweist sich als wirksamer. Auch Mäusen ist der Zugang erschwert.

Bienen haben mit der Odilienpforte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten gezeigt.

Ein Landebrettchen kann im Einhängeverfahren angebracht werden, denn die Beobachtung am Flugloch ist für manchen Imker unerlässlich und wichtig.

In einem Bienenhaus mit Schweizer Kästen ist die Odilienpforte  nicht realisierbar.

Der Leser fragt sich vielleicht, jetzt hat der Einschlupf von unten im Stock seit Anbegin der Imker-Beuten (ca. 120 Jahre) geklappt, warum jetzt eine Umstellung?

Weil wir jetzt der Biene in allen Belangen eine optimale Wohnstätte bieten müssen, damit sie leichter mit allen Wiederwärtigkeiten fertig wird. Ferner können wir Imker mühelos und kostengünstig unsere Beuten damit anpassen. Professor Dr. Jürgen Tautz hat in seiner Kugelbeute die Einflugsschneise in Anlehnung der Baumhöle auch höher verlegt. Der Bienenkorb, genannt Stülper, hat seine Einflugsöffnung in den meisten Fällen oben, seltener an der Basis.

Warum aber war bisher die Einflugsschneise unten an der Beute, was hatten die Erbauer für Gründe? Es gibt einen treffenden, eigennützigen, imkerlichen Grund; man kann an der offnen Beute arbeiten und hat die Flugbienen nicht am Hals. Sie werden so weniger tangiert und können ihren Aufgaben weiter nachgehen. Auch die vielen aufgewirbelten desorientierten Bienen finden schnell wieder vorne unten ihren Eingang. Ferner haben die Bienen es leichter das Gemüll nach draussen zu befördern. In der Baumhöhle hatten die Bienen es nicht nötig ihr Gemüll zu beseitigen, das besorgten Mikroorganismen und Pilze.

Eine neue Bienenhaltungs-Methode ist in England entwickelt worden die besagt:  dass man zur Erweiterung des Bienenstockes jeweils einen ergänzenden Magazinraum unter den Brutraum anfügt, statt wie bis anhin nach oben aufzubauen. Diese Anwendung liegt darin begründet, dass die Bienen ihre Waben in einer Höhle stets nach unten hin weiter anbauen. Eine Odilienpforte ist dazu die ideale Kombination.

Erfahrung:  Heute sind die Bienenvölker so auf den Einschlupf von unten in der Beute programmiert, dass wenn man einen Schwarm einlogiert,  es besser ist, man bleibt anfänglich bei der gewohnten Methode, sonst fliegt der Schwarm womöglich nochmals davon. Ist mir so geschehen.  Erst ein eingesessenes Volk kann man auf die Odilienpforte umschulen. Daran erkennt man, wie stark wir die Bienen in ihrem Verhalten schon geprägt haben!

Beim Hantieren am Bienenstock ist mir die Odilienpforte durch den rückkehrenden Bienenflug nicht hinderlich gewesen. Die heimkehrenden Bienen setzen sich gleich auf den Wabenrähmchen ab, andere flogen gleich wieder weg, oder sie sammelten sich an der Magazinvorderfront.

Eine Nachahmung steht jedem Imker frei.

Meine neue Version ist ein eingebohrtes Rundloch im Brutmagazin von 6cm Durchmesser. Im Direktanflug landen die Bienen auf der Zielgeraden, wie als hätten sie nie etwas anderes gekannt. Das Modell wird zeitig im Jahr 2018 hier vorgestellt. Der Prototyp hat mich sofort überzeugt.

 

Modifiziertes Langstrothmagazin

Nun ist es soweit, mein ganzer Bienenstand ist neu angepasst und somit der natürlichen Baumhöhle etwas angeglichen worden. Die Magazine wurden mit einer 2 cm dicken Styroporplatte von aussen isoliert und das Flugloch mit einer Rundöffnung (mit dem grössten Bohrmass des Rundbohrers) eingefügt. Man glaubt gar nicht, wie zielsicher die Bienen ein und aus fliegen! Trotzdem ist es dem Imker gut möglich seine Volksbeobachtung am Flugloch zu machen. Im Winter wird das Flugloch mit einem Halbmondholz eingeengt.

  1. Der Brutraum kommt auf einen geschlossenen Unterbau aus einer Halbzarge zu stehen, der hinten eine abnehmbare Klappe hat. So kann man ein Durchhängen der Bienen rechtzeitig wahrnehmen und den Brutraum nach unten erweitern so, wie es die Natur auch vorgesehen hat. Die Praxis hat aber gezeigt, dass Bienen die Magnete zum Klappeschliessen nicht mögen und sie mit Propolis verkleben. Dann kann man die Klappe nicht mehr öffnen. Ausserdem verzieht sich die Öffnung für die Klappe etwas, sodass ein offener Schlitz entsteht. Da können Wachsmotten und anderes Getier eindringen. Schweren Herzens habe ich den Unterboden wieder verleimt und verschraubt. Die Klappe hat sich technisch nicht bewährt. Die Praxis erst zeigt einem, was am besten machbar ist. Vielleicht finden Sie ein besseres Patent, um diese ideale Funktion zu erreichen?!
  2. Der Honigraum wird nach oben erweitert und darüber kommt jeweils wieder eine Halbzarge, die mit dem Deckel abschliesst.
  3. Ist der Honigraum abgeerntet, kann in der oberen Halbzarge die Varroabehandlung, sowie das Füttern bequem ausgeführt werden. Später kann für den Winter dort noch ein zusätzliches Isolierkissen eingelegt werden.
  4. Hingegen dient die Bodenhalbzarge den Bienen zu mehr Luft- und Laufraum. (Er liesse sich aber auch gut für Bücherskorpione einrichten.)
  5. Die obere Halbzarge kann auch als Honigraumerweiterung dienen, benötigt allerdings ein kleineres Rähmchenmass. Es sei denn, man imkert nur auf Halbzargen.
  6. Diese erweiterte Beute verhindert das Anwachsen eines Bienenbartes, weil sich der Platznot-Stress in den Wabengassen erübrigt
  7. Die Wachstuch- oder Plastikfolie zum Abdecken, kommt wie üblich, immer über den Brutraum oder den Honigraum zu liegen. Ich habe neu ein in Propolistinktur präpariertes Baumwolltuch zum Abdecken angewendet. (Siehe dazu am Schluss eine Erklärung.)

Ein Thermometer gibt mir Bescheid, wie es sich mit der Innentemperatur verhält. Sie ist in Brutzeiten immer konstant zwischen 34- 36 Grad.

Eine isolierte Beute, die Kälte und auch Hitze ausgleicht, sowie ein verkleinertes Einflugloch aufweist und mehr Luftraum und Aufenthaltsraum gewährt, verhilft den Bienen zu weniger Stress und mehr Zeit. Die gewonnene Zeit können sie für eine gesicherte Brutpflege und eigene Körperpflege einsetzen. Es ist erwiesen, das der Putztrieb unter den Bienen, die weniger Störungen und Reizen ausgesetzt sind, sich die Varroa besser vom Hals schaffen können.

” Der gewiefte Imker kontrolliert mit einer Lupe die gefallenen Milben. Haben die Milben keine Beine mehr, so sind sie von den Bienen abgezwackt und somit getötet worden und beweist ihren Putztrieb! ” Solche Völker sollte man dann zur Vermehrung vormerken.

Eine isolierte Beute weist im Raum keine krassen Temperaturunterschiede mehr auf, sodass die Schimmelbildung an den Randwaben wegfällt.

Für einen Transport lässt sich die Luftzufuhr so regeln, dass die Klappe des Unterbaus offen bleibt und mit einem Gitterschutz versehen werden kann, oder es wird ein Gitter vor das Flugloch angebracht.

Das runde Flugloch kann besser verteidigt und überwacht werden. Da es erhöht eingefügt wurde, entsteht automatisch mit eindringender kalter Luft eine Fallströmung in der Stockluft, die die Bienen bei der Ventilation entlastet. Ist die Aussenluft zu heiss, braucht es nur wenig Bienen, um das Eindringen der Warmluft abzuwehren.

Ein Varroagitter gibt es nun nicht mehr, die Bienen müssen ihren Boden selber putzen, können aber auch Verlorenes, wie Pollenhöschen, Wachsschüppchen und Nektartröpfchen wiederverwerten. Die Wachsmotte hat nun von unten keinen Zugang mehr zum Gemüll. Bei der gründlichen Völkerkontrolle säubere ich, falls nötig gleich den Boden mit.

Wer mit einem quadratischen Magazin imkert, hat den Vorteil, dass er innerhalb eines Stockes den Honigraum vom Kaltbau zum Warmbau versetzen kann. Dann muss er kein Königinabsperrgitter mehr einlegen!

Mein Prototyp hat bereits den ersten Winter gedient und ist in meinen Augen ein voller Erfolg geworden. Zum einen hatten die Bienen noch mehr Futtervorrat übrig, weil sie weniger Energie umsetzen mussten. Zum andern haben sie zum gleichen Zeitpunkt, wie die nicht isolierten Völker, einen grösseren Brutanteil und sind bereits schneller zu einer beachtlichen Volksgrösse angewachsen, als das bei den übrigen Völkern zur gleichen Zeit der Fall war. Auch gab es keine schimmeligen Waben und Wände in der Beute, weil mehr Luftraum zur Verfügung steht und keine kalten Aussenwände den Feuchtigkeitsniederschlag verursachen.

Beim ersten Drohnenschnitt am 21. April habe ich die Streckmaden herausgepult und auf Varroabefall inspiziert. Man wird es mir kaum glauben, aber ich habe ca. dreihundert Maden kontrolliert und nicht eine Varroamilbe gesehen. Das hat mich total überrascht und nun will ich den zweiten Drohnenschnitt abwarten. Vermutlich hatten die Bienen im Winter mehr Energie frei, die sie nicht in Wärme umsetzen mussten, sondern sich selber besser putzten. Ich muss gestehen, ich habe auf einen zweiten Drohnenschnitt verzichtet und den Rahmen entfernt. Sie hatten genug Drohenenzellen  an ihren Brutwaben, ich wollte nicht weiter stressen mit Drohenbau.

Meine Erfahrungen in diesem heissen Sommer zeigten, dass die Bienen keine Probleme mit der Hitze hatten, obwohl ein Stand an praller Sonne stand.  Die Brutflächen legten sie gleich hinter dem Einflugsloch an. Jetzt im Herbst haben sie sich für den Winter entweder nach rechts oder nach links seitlich davon ansässig gemacht.

Die Böden sind in den meisten Beuten sehr sauber gehalten. In einem fand ich lauter Propolishäufchen vor, die bei der Kontrolle alle Maden der Wachsmotte enthielten. Ein anderer Boden hatte in einer Ecke viele tote Milben angehäuft, die im Laufe des Sommers dort zusammengetragen wurden (siehe Fotos).Offenbar pflegten hier die Bienen eine andere Putzordnung. Ein Testvolk erhielt ein Varroagitter und über Wochen fand ich keine Milbe darin vor. Die Herbst- Varroabehandlung mit einem Bayvarolstreifen, die einen Monat zur Anwendung kamen, zeigen einen konstanten aber nicht beunruhigenden Varroafall.

Meine derzeitige Schlussfolgerung geht dahin, dass die Bienen keinesfalls Varroa-frei sind, jedoch mit ihr klar kommen. Erst im nächsten Jahr werde ich ein Testvolk ohne Varroabehandlung starten. Ich möchte vorerst alle meine Völker durch den Winter bringen.

Bisher habe ich nur Jungvölker aufgefüttert, den Altvölkern habe ich genug Honigwaben belassen.

Winter 2018/2019

Ich kann mich glücklich schätzen, ich habe in Zürich alle Bienen am Stand durch den Winter gebracht, im Tessin sind zwei durch Weisellosigkeit langsam ausgeflogen. Das ging nicht von heute auf morgen, sondern innert Wochen, denn im Tessin sind die Temperaturen viel milder, sodass sie nicht ständig in der Wintertraube verbleiben müssen. Ich überließ sie ihrem Schicksal.

 

 

 

Das Propolistuch

Alle Bioimker, sowie auch Demeter arbeiten mit einer natürlichen Volksabdeckung und lehnen die Plastikfolie ab. Hierzu wähle man einen (eventuell ausgedienten) Baumwollstoff, schneidet ihn mit der Zickzackschere  magazin-bündig ab. Eine Propolislösung wird vorher mit 100% Alkohol hergestellt. Man bedient sich einer Einlieterglasflasche mit Verschraubdeckel. Dahinein füllt man das von Waben und Kästen gesammelte Propolis und übergiesst ihn mit dem Alkohol. Je mehr Propolis desto konzentrierter ist die Lösung. Ich fülle die Flasche mit einem Fünftel Propolis und vier Fünftel Alkohol. Den Alkohol beziehe ich sehr günstig, gleich nach der Tessiner Grenze, aus Italien. Er ist unvergleichlich viel billiger, als in der Schweiz. Als Notlösung kann man aber auch Gin verwerten. Diese Lösung lässt man 6 Wochen aufweichen und schüttelt sie von Zeit zu Zeit. An frischer Luft taucht man nun den vorbereiteten Stoff in eine Schüssel und übergiesst ihn sättigend. Mit Wegwerfhandschuhen an den Händen wringt man es aus und lässt nun auf der Wäscheleine den Alkohol aus dem Propolistuch verdunsten. Fertig zum Gebrauch! Durch dieses Tuch diffundiert auch die Feuchtigkeit, die sich dann unter dem Deckel besser regulieren lässt, als wenn er am Plastik über das Volk tropft und die Bienen zum Trinken verführt, was nicht bienengesundheitsfördernd ist.

Das Propolistuch hat sich bei der Überwinterung bestens bewährt. Es gab keine Schimmelbildung in der Beute. Die Feuchtigkeit konnte durch das Tuch dann durch das Loch des Fütterungsbrettes in die Isolierplatte aus Naturfasern aufgenommen werden. Statt der Isolierplatte kann man auch Zeitungen einlegen.

Nach dem Auswintern habe ich wieder, zwecks besserer Beobachtung der Völker, eine Klarsichtfolie zum Abdecken eingelegt. Die ganz grossen Völker, auf zwei Zargen, haben Löcher in das Propolistuch gefressen.